Freudige Erwartungen: Sommer, Nacht, Sex und Komödie

Interview mit der Regisseurin Christiane Wolff über ihre Inszenierung von
Woody Allens „Eine Mittsommernachts-Sex-Komödie“
Der Titel „Eine Mittsommernachts-Sex-Komödie“ klingt ein wenig platt, weckt vielleicht sogar bestimmte Erwartungen bei einem Publikum, das nicht mit Woody Allens Humor vertraut ist. Hat Dich das bei der Stückauswahl gestört?
Christiane Wolff: Im Gegenteil. Der Titel des Stückes besteht aus vier schönen Begriffen: Sommer, Nacht, Sex und Komödie. Die Verbindung aller vier weckt einfach freudige Erwartungen in Beziehung zu einem lauen Sommerabend in unserem Theatergarten und ich glaube, diese Erwartungen sind durch unsere Inszenierung auf eine feine Weise erfüllt worden.

Woody Allens Filmvorlage war kein großer Publikumserfolg und kam auch bei der Kritik nicht besonders gut weg. Im Theater wird das Stück eher selten gespielt. Aber Du hast immer wieder betont, dass sich die Textvorlage viel besser für ein Theaterstück als für einen Film eignet. Warum eigentlich?
Christiane Wolff: Woody Allen hat den Stoff um die Jahrhundertwende angesiedelt und auch so verfilmt. Obwohl die Dialoge sehr reich an Pointen sind, bemerkt man das im Film kaum. Ich glaube, dass es sowohl den Beziehungen als auch den Dialogen gut tut, sie nicht in dieser verstaubten Zeit zu belassen. Außerdem gibt es im Film viele Ortswechsel, die nichts erzählen und oft laufen die großartigen Filmschauspieler nur ewig lang durch die Landschaft und reden. Man ist auf der Bühne gezwungen, den Text durch wesentlich stärkere Handlungen und Bilder umzusetzen und das tut den Dialogen meist sehr gut. Und ich muss zugeben, dass ich die Komik der Dialoge oft durch lokale Bezüge oder einfach stimmigere Übersetzungen mehr auf den Punkt gebracht habe. Deswegen hat das Publikum in den Vorstellungen von „Mittsommernachts-Sex-Komödie“ einfach gern gelacht.

Kam der Inszenierung entgegen, dass der größte Teil der Handlung in einem Garten und damit unter freiem Himmel spielt? Entsteht so nicht ein übermächtiger Realismus?
Christiane Wolff: Ich habe keine Angst vor Realismus. Ein Stück, das in einem Garten spielt, in einem Garten zu spielen, finde ich sehr passend. Es kommen auch wieder andere Stoffe.

Die Handlung des Stückes bietet eigentlich genau das, was man erwartet. Alle gehen verbal aufeinander los, während sich alte Beziehungen auflösen und neue Affären anbahnen. Trotzdem ist es Dir gelungen, zwischen den Zeilen auch kritische und nachdenkliche Töne über Gesellschaft, Moral oder Beziehungen zu treffen. In welchem Maß kann man in einer Komödie überhaupt kritisch sein?
Christiane Wolff: Mir war schon beim Studium der Textvorlage klar, dass der Humor und die Poesie teilweise feiner sind, als es in meinen früheren Komödien schon der Fall war. Die Dialogführung in diesem Stoff von Allen lebt von subtiler und psychologischer Komik bis hin zur deftigen Pointe und hat eine ganz andere Energie als ein Molière oder Shakespeare. Ich habe mich von Anfang an darauf gefreut, diese Texte zu inszenieren, dass mir kritische Töne gelungen sind, war mir gar nicht bewusst. Ich glaube, in jeder Komödie kann man sehr gut nachdenkliche und feine Momente inszenieren, wenn man die Schwächen der Figuren so liebevoll erzählt, dass die Zuschauer sich nicht auf die Schenkel schlagen, sondern etwas stiller in sich hinein schmunzeln, weil sie sich selbst in dieser Schwäche erkennen, aber liebevoll behandelt sehen. Dann ist das Nachdenken über eigene Schwächen möglich.

Ich erinnere mich an die Premiere. Kurz vor Aufführungsbeginn war die Zuschauertribühne mit regenfest gekleideten Besuchern gut gefüllt und es begann plötzlich zu regnen. Doch das Ensemble wollte unbedingt spielen. Also begann die Aufführung im strömenden Regen, der glücklicherweise nach ca. 15 Minuten entgegen allen Wettervorhersagen aufhörte. Welche Gedanken schwirren einem in diesen 15 Minuten im Kopf herum?
Christiane Wolff: Ich dachte, wir müssten die Premiere sicher nach einer knappen Stunde abbrechen, weil Schauspieler und Zuschauer völlig durchnässt sind. Dann hätten alle Zuschauer und auch die Presse das Stück nur zur Hälfte gesehen. Also bin ich ziemlich durchgedreht, denn der Teil nach der Pause bringt die Geschichte erst auf den Punkt und ist dadurch temporeicher und lustiger als der Anfang. Wenn mein Kollege Peter Kratz mir nicht ständig versichert hätte, dass es aufhören würde zu regen, hätte ich wahrscheinlich die Geduld verloren und die Premiere verschoben.

In deinen bisherigen Inszenierungen musstest Du oft mit Doppelbesetzungen arbeiten. Ein einziger Schauspieler spielt gleich mehrere Rollen. Das hat in vielen deiner Inszenierungen ganz hervorragend funktioniert und das Publikum war stets begeistert von der Wandlungsfähigkeit des Ensembles. In „Eine Mittsommernachts-Sex-Komödie“ spielte jeder der sechs Schauspieler nur eine Rolle. Welche Auswirkungen hatte dies auf die Inszenierung? Entstanden neue Impulse für die Rollenarbeit?
Christiane Wolff: Wenn man mit Doppelbesetzungen arbeitet, ist die Anforderung an den Schauspieler immer eine sehr komödiantische. Spielt jeder nur eine Rolle, kann man eben etwas psychologischer arbeiten, denn ein Schauspieler muss sich nicht so bemühen, darstellerische Mittel zu finden, die seine persönliche Energie so weit wie möglich verändern. In dieser Inszenierung hatte ich wirklich sechs verschiedene Energien auf der Bühne und das hatte ich mir schon lange mal gewünscht. Ich freue mich, dass wir so viel Erfolg hatten und somit nicht finanziell auf die Nase gefallen sind.

Nun liegt von der Premiere bis zur letzten Vorstellung eine erfolgreiche Aufführungsreihe mit mehr als 4.000 Zuschauern hinter Dir. Wie hat sich die Inszenierung in dieser Zeit weiterentwickelt?
Christiane Wolff: Super. Das Ensemble musste ja während der zweiten Hälfte der Probenzeit an sechs Tagen in der Woche Kindertheater spielen und alle waren am Ende der Proben schon ganz schön ausgepowert. In den Vorstellungen haben wir durch tägliche Abendregie die Qualität der ganzen Inszenierung stetig verbessert und ich freue mich jetzt noch, dass alle Schauspieler diese Kritik gern angenommen und super umgesetzt haben. Es war einfach eine prima Truppe.

Gibt es eine Aufführung, die Dir ganz besonders in Erinnerung bleibt? Eine Lieblingsszene?
Christiane Wolff: Es gibt einige Szenen, die ich besonders gern mochte. Die Szenen, die auf dem Dach vom Haus spielten, oder den ganzen zweiten Teil.

In den letzten Jahren hast Du vor allem Komödien inszeniert. Ist das eine Vorliebe von Dir?
Christiane Wolff: Ja, ich mag es, wenn die Zuschauer über menschliche Schwächen lachen. Das öffnet, schafft Leichtigkeit und Zuneigung zu sich selbst und den anderen Menschen. Und was ist denn wichtiger im Leben?

In der Inszenierung spürt man eine große Spielfreude und einen Ensemblegeist, der eigentlich in so kurzer Zeit nur sehr schwer herzustellen ist. Glaubst du, dass dies in einer Komödie leichter erreicht werden kann als bei einer Tragödie oder einem ernsten Drama?
Christiane Wolff: Nein, das glaube ich nicht. Spielfreude oder Ensemblegeist sind mir als Ausdrucksmittel sehr wertvoll und ich glaube inzwischen zu wissen, wie ich auch Schauspieler, die sich noch nicht kennen, oder sehr verschieden sind, dahin führe, dass sie beides entdecken und erleben können. Das ist meiner Ansicht nach nicht abhängig vom Stoff, sondern davon, wie bewusst man als Regie fähig ist, das zu suchen, was einem wertvoll ist.

Mit etwas Abstand zurückgeblickt: Was waren die Stärken deines Ensembles 2013?
Christiane Wolff: Seine Verschiedenheit.

Noch weitere dankende Worte?
Christiane Wolff: Vielen Dank für die guten Fragen.

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