Ich würde auch Fred Feuerstein spielen

Im Gespräch mit dem Schauspieler Andreas Klaue
Neben seinen zahlreichen Engagements am Staatstheater Karlsruhe, Pfalztheater Kaiserslautern und den Schauspielbühnen Stuttgart gehört er inzwischen zum festen Stamm des Theatersommer-Ensembles. Er begeisterte das Publikum in vielen Inszenierungen wie z. B. in „Steppenwolf“, „Prozess“ „Harry & Sally“, „Kinder des Olymp“, „Die Räuber“ oder “Frühstück bei Tiffany”.

Du spielst seit 2006 beim Theatersommer und hast Dir auch schon vorher einige Aufführungen angesehen? Erinnerst Du Dich an die erste Aufführung, die Du im Cluss-Garten gesehen hast?
Andreas Klaue: Die erste Aufführung, die ich in Ludwigsburg gesehen habe, war „Venus, Adonis und der Eber“. Zu dieser Zeit war ich in Kaiserslautern im festen Engagement und hatte nie Zeit für Sommertheater. Erst ab 2002, nach meinem Entschluss, als freier Schauspieler zu arbeiten, wurde es für mich möglich, bei Freilichtspielen mitzuwirken.

Harry Haller in „Steppenwolf“, Franz K. in „Prozess“, Treplew in „M. wie Möwe“, Hirschy in „Purple Rose of Cairo“, Damiel in „Himmel über Berlin“, Harry in „Harry und Sally“, Lemaitre in „Kinder des Olymp“ und schließlich Karl Moor in „Räuber“. Entscheide dich. Was war Deine Lieblingsrolle?
Andreas Klaue: Geliebt habe ich all diese wunderbaren Figuren, jede auf ihre Art, so wie ich auch um die eine härter ringen musste als um die andere. Es gibt aber zwei Inszenierungen, die ich herausheben möchte: Emotional hänge ich am stärksten an „Steppenwolf“, weil ich damit auch die Erinnerung an meinen verstorbenen Kollegen und Freund Michael Holz verbinde. Doch „ Die Räuber“ und Karl Moor haben mir schauspielerisch am meisten abverlangt und stehen darum an erster Stelle.

Mal ganz aus der Perspektive des Schauspielers betrachtet. Ticken die Uhren beim Theatersommer anders als bei anderen Theatern?
Andreas Klaue: Die Arbeit an sich unterscheidet sich nicht von der an anderen Theatern. Da es aber beim Theatersommer kein Heer von Bühnentechnikern, keine Garderobiers, noch Maskenbildner oder Requisiteure gibt, trägt man als Schauspieler eine ganz andere Verantwortung für den Gesamtablauf.

Theater unter freien Himmelszelt. Welchen Einfluss hat dies auf Dein Spiel? Muss man die darstellerischen Mittel beim Open-Air-Theater anders einsetzen als im Innenraum?
Andreas Klaue: Wenn wir Ende April / Anfang Mai mit den Proben beginnen, blühen die Kirschbäume im Cluss-Garten und bei der letzten Vorstellung dann Anfang September verfärben sich schon allmählich die Blätter der Bäume und wir sind in jedem Jahr ein Teil dieser herrlichen Natur. Allerdings muss man als „kleiner“ Schauspieler gegen diese gigantische Kulisse erst einmal anspielen und das braucht viel Energie! Bewegung, Ausdruck und Stimme müssen viel deutlicher und größer eingesetzt werden als in geschlossenen Theaterräumen.

Durch Deine langjährigen Engagements an anderen Theatern in ganz Deutschland bekommst Du oft während des Sommers Besuch von Kollegen oder anderen Regisseuren, die sich die Inszenierungen des Theatersommers ansehen. Welche Eindrücke bleiben hängen, wenn nach den Vorstellungen berichtet, kommentiert oder diskutiert wird?
Andreas Klaue: Kollegen aus Hamburg, Berlin oder Wien waren immer verzaubert von der Schönheit des Gartens und beneideten uns um den Ort. Nach den Aufführungen sprachen sie begeistert von der eigenen Ästhetik der Inszenierungen, der völlig neuen, frischen Herangehensweise an die Stücke, den kraftvollen Schauspielern, der Fantasie bei der Bühnengestaltung oder den Musikkonzepten und hoben unsere Arbeit auf eine Ebene mit den Inszenierungen an den großen Häusern.

Deine Wunschrolle, die Du irgendwann einmal beim Theatersommer spielen willst?
Andreas Klaue: Macbeth, Othello, Richard III oder Tony Soprano – oder alle auf einmal – bei der Arbeit mit Peter Kratz würde ich auch Fred Feuerstein spielen und wüsste, dass es eine schöne Arbeit wird.

 

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